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 Karneval

- lat. carrus navalis „Schiffskarren" -

in Alsenz.

Wann begann das alles in unserem über 1200 Jahre altem Alisentia? Schon vor der Jahrhundertwende!

 Per Zufall fand man einen Ausschnitt der „Pfälzer Volkszeitung" (Erscheinungstag 7.2.1896). Eine Anzeige kündigt eine „Hauptsitzung mit Damensitzung" des „Alsenzer Carneval Vereins" im „Saale des Herrn Fritz Wendung" an. Daraus ist ersichtlich, dass in der Zeit bis zum 1. Weltkrieg ein eigener Verein das närrische Brauchtum in Alsenz pflegte.

 Zwischen den beiden Weltkriegen wurden Kappensitzungen und andere närrische Veranstaltungen von den Wirtsleuten, in der Hauptsache aber von den Vereinen, durchgeführt. Federführend war hier wohl der Musikverein, der den Rosenmontag grundsätzlich für sich „gepachtet" hatte, stets mit Überraschungen aufwartete und 1929 mit der Operette „Faschingsliebe" die Alsenzer Narren hellauf begeisterte. Während des 2. Weltkrieges kam der Karneval in Alsenz zwangsläufig zum Erliegen.

 Nach dem 2. Weltkrieg der übliche Nachholbedarf!

 Berühmt die Maskenbälle des SV Alsenz in der alten Nordpfalzhalle, 100 Masken waren keine Seltenheit.

 Anfang der fünfziger Jahre besann man sich auf eine alte Alsenzer Tradition: Die Prunksitzung!

 Als erster ergriff der tatkräftige Verkehrsverein die Initiative und führte 1953 und 1954 große Prunksitzungen durch. Jährlich gab es zwei Sitzungen, eine in „'s Rappe Saal" (Saal Schuff), die andere im Saale Robert Spuhler (Weißes Roß).

 Aller Anfang ist schwer, die Prinzengarde nähte sich die Kostüme selbst, die Elferratmitglieder holten ihre schwarzen Anzüge aus dem Schrank und verschönerten sie mit weißen Nelken und eingesetzten Revers.

 Leider kam nach zwei Jahren für den Verkehrsverein aus personellen Gründen das karnevalistische Aus; 1955 war man in Alsenz wieder ohne Prunksitzung.

 

Da kein anderer Verein zu diesem Zeitpunkt bereit war das traditionelle, karnevalistische Brauchtum in Alsenz fortzuführen, nahmen Wilhelm Imbschweiler als Vorstandsmitglied und späteren 1. Vorsitzenden der Turn- und Sportgemeinde Alsenz, sowie Robert Weber als damaligen 1. Vorsitzenden des Männergesangvereins Alsenz und Otto Bruch die Chance wahr und gründeten eine Karnevalsabteilung, die sich der Turn- und Sportgemeinde Alsenz angliederte.

 Die erste Prunksitzung 1956 war dann auch ein voller Erfolg, „'s Rappe Saal" direkt am Alsenzufer, war überfüllt, es herrschte berstende Stimmung, die Alsenzer Narren waren aus dem „Häuschen".

 

Der Anfang des Karnevals in Alsenz ist hier kurz beschrieben.

 Stolz dürfen wir darauf sein, dass sich die Prunksitzungen bis zum heutigen Tag, Jahr für Jahr, wiederholt haben. Dieses ist sicherlich ein Verdienst vieler Akteure und Helfer.

 Der Saal Schuff ("s Rappe Saal) im Alten Weg war jahrelang „Narrhalla", eng, ja zu eng, aber urgemütlich. Die Stimmung immer eine Wucht! Die „Bütt" praktisch inmitten der Narrhallesen.

Die Verhältnisse änderten sich im Jahre 1962, seit diesem Zeitpunkt steigen die alljährlichen Prunksitzungen in der neu erbauten Turn- und Festhalle. Dieser Wechsel tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch. Nach wie vor geht das Alsenzer Stammpublikum begeistert mit, die Sitzungen sind stets ausverkauft. Vermisst werden jedoch die bunten Papierkappen, die früher für 10 Pfennige am Eingang zu erstehen waren. Doch die Zeiten änderten sich. Früher kam das Publikum in großer Garderobe. Dadurch waren die Prunksitzungen noch prunkvoller und hatten in Alsenz einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert.

 Die traditionellen Veranstaltungen sind in der ganzen Nordpfalz bekannt und beliebt, in einem vierstündigem Nonstopprogramm sorgen der Elferrat mit seinem Sitzungspräsidenten, die Prinzengarde, Büttenredner, Gesangs- und Tanzgruppen für großartige Unterhaltung. Wehe, es passiert etwas im Dorf. Schon wird es aufgegriffen und zu Gehör gebracht. Alsenzer, die jetzt außerhalb ihres Heimatortes wohnen, dient die Prunksitzung als „wichtige Information".

 Einige Jahre gab es zwei Sitzungen. Erstens, die große „Alsenzer Prunksitzung, diese übermittelte unverfälschtes, urwüchsiges Alsenzer Kulturgut für das treue Alsenzer Stammpublikum. Zweitens, die große „Fremdenprunksitzung", hier waren namhafte Personen aus der ganzen Nordpfalz präsent, Bundes- und Landtagsabgeordnete, der Landrat, der VG-Bürgermeister, Personen aus dem öffentlichen Leben. Das Programm wurde leicht abge­ändert und auf das Gastpublikum zugeschnitten.

 Welche waren bisher die Höhepunkte? Sind überhaupt Vergleiche möglich? Sehr schwer! Schwer dadurch, weil das Publikum, bedingt durch Film, Funk und vor allem das Fernsehen, anspruchsvoller geworden ist. Ein Höhepunkt, einer von vielen, die Fernsehsitzung 1974. „Die Alsenzer" im Deutschen Fernsehen (ARD 3. Programm). Alle wollten „dabei" sein, die Festhalle war total überfüllt! Zusätzliche Stühle und Bänke mussten herbei, jede Lücke wurde ausgefüllt. Weit über 500 Personen, hinzu die Kameras und die starken Scheinwerfer, die Narrhalla glich einer Sauna.

 Einige Tage später die Sendung! Auf dem Bildschirm Prunksitzungsaus­schnitte aus Landau, Saarburg und Alsenz. Unsere Akteure schlugen sich prächtig, sie brauchten sich hinter den „Mitkonkurrenten" nicht zu verstecken.

 Auch die Jubiläumssitzungen 1981 sollten genannt sein. 25 Jahre ununter­brochen Prunksitzungen in Alsenz, ein besonderes Jubiläum, die Alsenzer ließen sich was einfallen. Narrhallamarsch! Elferrat und Prinzengarde mar­schieren ein - dann Männer in grünen Jacken, wer ist das? Der Gründungselferrat! Riesiger Beifall! Zum Schluss die größte Überraschung: Eine Kinderprinzengarde! 7- bis 12-jährige Mädchen ließen sich begeistert feiern. Sie waren die „Stars" des Abends. Drei Generationen auf der Bühne, ein einmaliges Bild, die Geburtsstunde der Alsenzer Kindergarde.

 Kindergarde 1981

Kindergarde 1981

 Seit diesem Jahr führen die Alsenzer Karnevalisten die Kinder- und Jugend­sitzungen durch, sie sind ein fester Bestandteil der Alsenzer Fasenacht, ein­malig im Alsenztal und der näheren Umgebung. Außer dem Sitzungspräsi­denten, wird die gesamte Sitzung von Kindern durchgeführt. Unbegrenzt scheint das Reservoir der Talente!

Die kleinen Akteure, oft noch zu jung um schreiben und lesen zu können, sind voll begeisterungsfähig. Das Einstudieren von Tänzen und Büttenre­den ist mit viel Zeit und Arbeit verbunden.

Hierfür gebührt den Initiatoren Hermann Spieß (1. Jugendabteilungsleiter), Brunhilde Lehr und Inge Hölcker ein herzliches Dankeschön.

 Die Kindersitzung, zur Förderung des Nachwuchses, macht hier deutlich, daß die Wurzeln des närrischen Brauchtums in Alsenz liegen. Hier werden immer wieder neue Ideen geboren. Von hier kommen Anstöße, die gerne von anderen Vereinen aufgenommen werden. Wir sind stolz darauf!!

In den siebziger Jahren vollzog sich zwangsläufig der personelle Wechsel. Neben den drei Gründungsmitgliedern Robert Weber (seit 1979 Ehrensitzungspräsident), Wilhelm Imbschweiler und Otto Bruch, mussten Leute wie Bruno Heidekrüger, Emil Wolf, Erwin Petry, Albert Klein, Ludwig Mohr, Wil­helm Müller und die etwas später hinzugekommenen Philipp Petry, Günter Kroll, Ernst und Kurt Miesemer ersetzt werden.

Erwähnenswert aus etwas jüngerer Zeit Frau Marianne Uhl, die als erste Frau (von 1971 bis 1980) in der Alsenzer Bütt stand.

Friedhelm Uhl von 1971 - 1978 Chef des Protokolls, von 1979 - 1986 am­tierender Sitzungspräsident, konnte durch seine Ausstrahlung und Schlag­fertigkeit stets überzeugen. Hervorragend auch Heinz Corell, Kurt Rapp und Walter Göttmann, die mit ortsbezogenen Vorträgen jahrelang das Publikum begeistern konnten. Hervorheben möchten wir auch Norbert Klein, der mit seinen politischen Vorträgen die Prunksitzungen jahrelang bereicherte.

Traditionell eröffnen die Alsenzer jeweils am 11.11. die Fasenachtskampagne. Sturmtrupps aus Alsenz, Obermoschel, Oberndorf und seit jüngerer Zeit auch eine Abordnung vom Donnersberger Carneval Verein erobern das Rathaus und zwingen den Bürgermeister mit seinen Räten zur „Kapitulation".

 

Rathauserstürmung

 Kampfkommandant von Beginn war Edmund Nenninger, der 1995, nach 17 Jahren, den Platz für die Jugend freimachte, sein Nachfolger ist bis heute Volker Eid.

In der Kampagne 1986 begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Alsenzer Karnevals. Nach 90 Jahren wurde wieder ein eigenständiger Verein, der Alsenzer-Carneval-Verein (A.C.V.) gegründet. Ein heimlicher Wunsch der Karnevalisten wurde wahr! Kein Veto der TuS -Vorstandschaft, letztendlich wurde sogar dieses Vorhaben unterstützt! Im besten Einvernehmen wurde die Trennung vorgenommen, die meisten Karnevalisten blieben der TuS als Mitglied treu.

Am 28.3.1986 trafen sich die Karnevalisten um konkrete Schritte zur Gründung eines eigenständigen Karnevalvereins einzuleiten. Schon am 26.4.1986 konnte die erste Mitgliederversammlung (Gründungsver­sammlung) des A.C.V. im „Alsenzer Hof" stattfinden. Auf dieser Versammlung standen unser Ehrensitzungspräsident Robert Weber und der Präsident der Abt. Carneval des Kulturvereins Obermoschel e.V. Wilhelm Lahm „Pate". Neben Theo Pletsch gehörten diese beiden Alt-Karnevalisten auch dem Wahlausschuss an.

Der erste öffentliche Auftritt des neugegründeten A.C. V. war die Teilnahme am Alsenzer Kerweumzug 1986. Die Zugnummer bestand aus einer Fuß­gruppe und einem kleinen „Narrenschiff" mit dem Motto

„Im ersten Jahr bin ich noch klein,

 im zweiten soll ich größer sein".

 

 

Der Verein begann sich zu entwickeln.

Die Vorstandschaft arbeitete gut. Die Prunksitzungen, sowohl die Kinder- und Jugendsitzung, wie auch die „Große Prunksitzung" waren mehr als ansprechend. Heinrich Roßbach war von 1987 bis 1989 der 1. Sitzungspräsident des ACV. Kummer machte jedoch in dieser Zeit die Gesangsgruppe, kurzentschlossen sprangen der BBK-Chor und die Bänkelsänger aus Kaiserslautern in die Lücke. Helle Begeisterung! Welch ein Stimmenpotential!

Dann ein Wechsel! Rainer Lehr, bis dahin 2. Vorsitzender, wurde 1990 wie auch 1992 Sitzungspräsident. Im Jahre 1991 wurden sämtliche Sitzungen wegen des Golfkrieges gestrichen.

Rainer Lehr verstarb in einem Kurzurlaub in Österreich. Wir Karnevalisten waren geschockt, die Rathauserstürmung 1992 und die Prunksitzungen 1993 wurden spontan abgesagt. Ein guter und treuer Freund war nicht mehr da!

Nach einem Jahr Pause rauften sich die Karnevalisten zusammen und veranstalteten, unter ihrem neuen Präsidenten Fritz Alexander wieder eine Prunksitzung, die in alter Manier durchgeführt wurde.

 Nachdem Fritz Alexander 1997 von seinem Amt als Sitzungs­präsident zurücktrat, fand man in Manfred Weidemeier einen würdigen Nachfolger. Mit seiner unnachahmlichen Art eroberte er bereits bei seiner 1. Prunksitzung 1998 das Herz des Publikums und hatte seine Feuertaufe mit Bravour bestanden.

So war es mehr als logisch, dass er auch in 1999 die Prunksitzung leitete.

 Doch erneut meinte es das Schicksal nicht gut mit dem ACV, denn Manfred Weidemeier verstarb 1999 plötzlich und unerwartet.

Der ACV verlor binnen weniger Jahre zum 2. Mal durch einen Schicksalsschlag den Sitzungspräsidenten.

Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger begann.

 Matthias Roßbach, der seit 1997 bereits die Jugendsitzungen des ACV leitete, bot sich an.

Die Vorstandschaft war zunächst skeptisch. Mit 36 Jahren war er vor allen Dingen in den Augen der „alten Hasen“ noch etwas grün hinter den Ohren. Was jedoch für ihn sprach, war die Tatsache, dass er bereits seit 18 Jahren aktiver Fastnachter war und dass er als Jugendsitzungspräsident mittlerweile auch schon etwas Erfahrung gesammelt hatte, wenn auch zugegebenermaßen vor einem „jüngeren“ Publikum.

Da sich in den Reihen der Karnevalisten keine weiteren Interes­senten fanden, wagte die Vorstandschaft den Schritt und wählte Matthias Roßbach einstimmig zum neuen Sitzungspräsidenten.

Mit ihm wurde der Wandel innerhalb des Vereins, der in den späten 90er Jahren eingesetzt hatte, konsequent weiterverfolgt.

 Es kam die Zeit der „jungen Wilden“, denn die aktiven Kinder und Jugendlichen aus der Jugendsitzung wurden langsam flügge und bereicherten mit frischem Wind und neuen Ideen das Programm.

Erwähnenswert hier stellvertretend Ute Seifert und Angelika Müller, die als Mitverantwortliche der Jugendsitzung die Jugend­arbeit des ACV entscheidend mitprägten. Eine Arbeit, die seit Anfang der Jahrtausendwende von Petra Ley und Gabi Scholz erfolgreich weitergeführt wird.  

Diese 4 Namen stehen aber auch noch für einen anderen Trend innerhalb des ACV: Frauenpower!

In allen Ecken des Vereins drängen die Frauen in verantwortliche Positionen und gestalten in zunehmender Zahl die Prunksitzungen und die Jugendsitzungen.

Zum Glück, denn das starke Geschlecht lässt es in dieser Zeit etwas ruhiger angehen.

Dieser Trend bestätigt sich in der Kampagne 2006, als mit Ulrike Roos die erste Frau im Elferrat Platz nimmt.

Dabei beruft Sitzungspräsident Matthias Roßbach Ulrike Roos aber nicht in den närrischen Rat, weil sich sonst niemand findet, vielmehr verleiht er damit seiner Überzeugung Ausdruck, dass man sich einen Platz im Elferrat erst einmal verdienen muss.

Insofern war es nur die logische Konsequenz, dass mit Alexandra Bretz und Judith Klein zwei weitere Frauen in der Jubiläumskampagne 2007 in den Elferrat berufen wurden.

Denn diese 3 Damen haben sich alle jahrelang in vielfältigster Weise um die Alsenzer Fastnacht verdient gemacht und sind insgesamt seit 77 Jahren aktiv.

Sie haben es wahrlich verdient und sind würdige Nachfolgerinnen für die mittlerweile aus dem Elferrat ausgeschiedenen Altkarne­valisten Edmund Nenninger (verstorben 2009) und Richard Walter sowie unserem viel zu früh verstorbenen langjährigen Vorsitzenden Theo Pletsch, denen die Alsenzer Fastnacht ebenfalls sehr viel zu verdanken hat.

 So präsentiert sich der Alsenzer Carneval Verein im Jubiläumsjahr 2007 dynamisch, engagiert, spritzig und jung – jung wie das Publikum, bei dem sich mittlerweile auch ein Wandel vollzogen hat. 

Immer mehr junge Leute besuchen in den letzten Jahren die Veranstaltungen des ACV, leider nicht immer zur Freude des Vereins.

Denn zum Leidwesen der Karnevalisten verwechseln einige schwarze Schafe im Publikum in jüngster Zeit die Prunksitzung mit einer Faschingsparty, bei der Alkohol die Hauptrolle spielt.

Wegen der Verhaltensweise dieser Personen verlor der ACV schon viele Stammgäste, die teilweise seit Jahrzehnten die Sitzungen besuchten.

Um dieser negativen Entwicklung entgegenzuwirken) entschloss sich die Vorstandschaft 2006 dazu, einen Sicherheitsdienst zu verpflichten.

Als dieser jedoch nicht zu dem gewünschten Erfolg führte, entschloss sich die Vorstandschaft, die entstehenden Kosten zu sparen und die Veranstaltungen künftig wieder ohne Sicherheitsdienst durchzuführen.

Genau genommen ist jede Fastnachtssitzung eine Kulturveranstaltung. Die satzungsgemäße Aufgabe des Vereins besteht darin, das karnevalistische Brauchtum in seinen traditionellen Grundprinzipien zu pflegen und zu fördern und das wollen wir auch in den nächsten 111 Jahren tun!

 

Alusontia    H e l a u !!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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